Erstellt von Christof Koopmann | |   Blog

Entwicklung und Ausblick zur Einspeiseabrechnung

Die Energiewende in Deutschland wird seit 25 Jahren von gesetzlichen Regelungen gesteuert und begleitet. Indem ein gesetzlicher Anspruch auf eine feste Vergütung für einen bestimmten Zeitraum garantiert wird, sollen Investitionen im Bereich erneuerbare Energien auf ein solides Fundament gesetzt werden. Die Abrechnung dieser Anlagen wird nach einem Vierteljahrhundert mittlerweile durch ein Labyrinth aus Gesetzen, Bestimmungen, Regelungen und Übergangsbestimmungen geprägt.

Das „Stromeinspeisegesetz“ wurde im Dezember 1990 auf einer DIN-A4-Seite im Gesetzesanzeiger veröffentlicht. Ab dann folgten etwa 230 Seiten Gesetzestext, die sich alle mit dem Thema erneuerbare Energien befassen. So umfasst die aktuelle Version des „Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien“ (EEG 2014) vom 01.08.2014 insgesamt 74 Seiten. Zudem folgten noch weitere Verordnungen, wie zum Beispiel die Marktprämienverordnung oder die Photovoltaik(PV)-Freiflächenausschreibungsverordnung.

Vielzahl an staatlichen Vorgaben erfordert großes Fachwissen

Durch die Veränderungen, die in den jeweiligen Novellierungen und Neufassungen teilweise auch rückwirkend beschlossen wurden, ist für die Bearbeitung von EEG-Anlagen mittlerweile ein sehr großes Fachwissen erforderlich. Die netzbedingte Regelung von EEG Anlagen, der hieraus entstehende Anspruch auf Ersatzvergütung, die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten von Anlagen, die Pönalisierung von Verstößen, steuerrechtliche Besonderheiten bei Stromwiederverkäufern oder die technischen Voraussetzungen für die Inbetriebnahme von Anlagen gestalten die EEG-Abrechnung zunehmend komplexer.
Für die Verteilnetzbetreiber ist die Abrechnung der EEG-Anlagen zu einem „Massenprozess“ geworden und auch für die IT-Anwendungen ergeben sich somit zunehmend komplexe Herausforderungen.

Im Folgenden werden am Beispiel des PV-Selbstverbrauchs die momentane Situation und daraus resultierende Problematiken bei der Einspeiseabrechnung aufgezeigt.

Bei Photovoltaikanlagen ist durch den konstant niedrigen Zubau von Anlagen und dem erneuten Unterschreiten des Zubaukorridors von 2400 bis 2600 Megawatt pro Jahr mit einer konstanten oder gegebenenfalls auch wieder steigenden Vergütung zu rechnen. Bis einschließlich Dezember 2015 gibt es für Photovoltaikanlagen über 300 verschiedene Preise, die je nach Inbetriebnahme und Größe der Anlage berücksichtigt werden müssen.

Nachdem mit dem EEG von 2009 erstmals auch der Selbstverbrauch vom eigenproduzierten Solarstrom vergütet und in den folgenden EEGs die Förderung angehoben wurde, ist diese Art der Förderung mittlerweile wieder bei 0 Cent/kWh angelangt. Mit dem EEG 2012 mussten alle PV-Gebäudeanlagen unter 1000 kW mindestens 10 % des Stroms selbst verbrauchen oder vermarkten, um die volle EEG-Förderung zu erlangen (PV-Marktintegrationsmodell). Diese Regelung wurde mit dem EEG 2014 – aus Abrechnungssicht zum Glück – wieder eingestellt.

Die Berechnung der mit dem EEG 2014 beschlossenen „EEG-Umlage für Letztverbraucher und Eigenversorger“ (§61, EEG 2014) ist eine weitere Großaufgabe für die Abrechnung. Nach dem Gesetz vom 21.07.2014 haben die vier Übertragungsnetzbetreiber zunächst die Abrechnung der EEG-Umlage ausgesetzt und auf eine Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums gewartet. Mit der „Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichsmechanismus nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz und zur Änderung anderer Verordnungen“ vom 17.02.2015 wurde festgelegt, dass die Erhebung der EEG-Umlage von dem Netzbetreiber erfolgt, in dessen Netzbereich der Selbstverbrauch stattfindet. Die Berechnung der EEG-Umlage – welche aktuell für PV-Anlagen größer 10 kW gilt, die nach dem 01.08.2014 in Betrieb genommen wurden und für Eigenverbrauch ausgelegt sind – erfolgt somit, wie auch die Berechnung der EEG-Vergütung, fast immer durch die Verteilnetzbetreiber. Diese Regelung gilt auch für die Umrüstung von bestehenden Anlagen, die nach dem 01.08.2014 umgebaut wurden beziehungsweise werden.

Die EEG-Umlage wird für die betroffenen Anlagen anteilig und gestaffelt berechnet. Aktuell müssen Anlagenbetreiber für den selbstverbrauchten Strom bis zum 31.12.2015 zunächst 30% der EEG-Umlage (aktuell 6,17 Cent/kWh) zahlen. Danach folgt eine Erhöhung auf 35% und ab dem 01.01.2017 müssen 40% der EEG-Umlage gezahlt werden.
Zudem können, mit einigen Ausnahmen, auch verschiedenste Einspeiseanlagen über eine Messeinrichtung angeschlossen werden. Hier wird dann die gemessene Einspeisung entweder prozentual auf verschiedene Anlagenteile und somit auch verschiedene Preise aufgeteilt oder durch installierte Untermessungen anteilig zur produzierten Menge aufgeteilt.

Es kann somit auch passieren, dass eine „alte Anlage“, die nicht EEG-umlagepflichtig ist, mit einer neuen Anlage oder umgebauten Anlage erweitert wird. Somit wird ein Teil des Selbstverbrauchs dann umlagepflichtig, während der andere Teil von der EEG-Umlage befreit ist.

Weitere Entwicklung der Abrechnungsmodalitäten

Diese Vielzahl an Varianten aus den gesetzlichen Bestimmungen, hier nur am Beispiel des PV-Selbstverbrauchs aufgezeigt, lassen erahnen, wie viele verschiedene Vorgaben es mittlerweile in der Einspeiseabrechnung gibt. Diese gesetzlichen Rahmenbedingungen sind die Herausforderungen, welche es bei der Einspeiseabrechnung zu bewältigen gilt.

Es bleibt abzuwarten, wie sich zum einen der Zubau von Solaranlagen entwickelt und zum anderen, wie der Gesetzgeber auf den nicht erreichten Zubau im Solarbereich reagiert. Eine Vereinfachung der Abrechnungsmodalitäten ist jedoch unwahrscheinlich, da die bestehenden Anlagen einen gesetzlichen Anspruch für 20 Jahre auf die jeweilige EEG-Förderung haben. Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die Planungen der Energiewende etwas langfristiger angelegt werden, um nicht, wie bisher, alle zwei Jahre ein neues „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ erforderlich zu machen. Der große Boom der erneuerbaren Energien und die damit verbundene Notwendigkeit zu kurzfristigen Anpassung von gesetzlichen Grundlagen sollte sich zunächst beruhigt haben.

Die Nachhaltigkeit von politisch geforderter und energiewirtschaftlich sinnvoller Steuerung im Bereich der erneuerbaren Energien muss die Zukunft ebenfalls zeigen. So bleibt abzuwarten, wie sich der Energiepreis zum einen und die EEG-Umlage zum anderen entwickeln, wenn ab 2020 die ersten Anlagen aus der gesetzlichen Förderung fallen. Die bereits geplante Novellierung des EEG für 2016/2017 betrifft derzeit nur die von der EU geforderte Ausschreibungspflicht für den Zubau großer EEG-Anlagen für Solar- und Windenergie. Der weitere Verlauf der Energiewende in Bezug auf den Ausbau von Übertragungsnetzen und der Inbetriebnahme von weiteren Offshore-Windanlagen ist noch offen.

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